Die digitale Stärke der Schweiz wurde im Hallenstadion in Zürich unter der Organisation von Swiss ICT eindrucksvoll demonstriert: Estland teilte seine Erfahrungen als digitaler Vorreiter, Experten diskutierten die Cybersicherheitslandschaft der Schweiz, und am Abend feierte die ICT-Branche ihre innovativsten Projekte beim Digital Economy Award 2025. Zusammen ergaben diese Veranstaltungen ein Panorama, das zeigt, wie eng Technologie, Vertrauen und staatliche Verantwortung miteinander verknüpft sind und warum die Schweiz international so gut positioniert ist.
Am 13. November 2025 wurde das Hallenstadion in Zürich zum Zentrum der digitalen Schweiz. Von internationalen Inspirationen über sicherheitspolitische Debatten bis hin zu Innovationspreisen bot der Tag ein volles Programm, das zeigte, wie komplex und eng vernetzt die digitale Transformation mittlerweile ist. Während Estland und die Schweiz am Nachmittag über digitale Resilienz diskutierten, fand gleichzeitig die Sitzung des Cybersecurity Committee von digitalswitzerland statt. Der Abend war schließlich dem Digital Economy Award 2025 gewidmet, mit dem die besten Projekte und Persönlichkeiten der Schweizer IKT-Branche ausgezeichnet wurden.
Die Veranstaltung begann mit der Estnischen Handelskammer in der Schweiz, organisiert von swissICT und digitalswitzerland. Im Mittelpunkt stand Estland, das Land, das in Europa zum Synonym für moderne digitale Verwaltung und konsequente Cybersicherheit geworden ist.
Die estnische Ministerin für Justiz und digitale Angelegenheiten Liisa-Ly Pakosta zeigte, wie ihr Land digitale Dienste so gestaltet, dass sie für die Bevölkerung zuverlässig, sicher und verständlich bleiben. Estland kombiniert digitale Identität, automatisierte Verwaltungsprozesse und Cybersicherheit zu einem integrierten System, dem die gesamte Bevölkerung vertraut.
Dieser Input ist für die Schweizer Vertreter besonders wertvoll. Seit der erfolgreichen Entscheidung zur E-ID hat sich der Fokus nun auf die konkrete Umsetzung verlagert: Wie soll das staatliche Identitätssystem im Detail aufgebaut, eingeführt und weiterentwickelt werden? Die Diskussionen haben deutlich gemacht, dass Estland und die Schweiz in Bezug auf Vertrauen, Transparenz und das Bestreben, die digitale Verwaltung als Dienstleistung für die Bevölkerung zu verstehen, auf ähnlichen Grundsätzen aufbauen.
Einen Raum weiter in den Konferenzräumen des Hallenstadions traf sich der Cybersecurity-Ausschuss von digitalswitzerland. Tommaso Bernabò von der Europäischen Kommission leistete einen wichtigen europäischen Beitrag, indem er das Cyber Resilience Act erläuterte. Die Verordnung legt neue Anforderungen für sichere digitale Produkte fest und wird bis 2027 schrittweise umgesetzt. Fragen aus dem Plenum zu Meldekanälen, Lieferketten und Marktüberwachung zeigten, wie relevant die Debatte für Schweizer Unternehmen ist.
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Doris Pöld, Ralf Schneider und Florian Schütz lag der Schwerpunkt auf Zusammenarbeit und Informationsaustausch. Die Experten machten deutlich, dass erfolgreiche Cybersicherheit nicht allein auf technischen Abwehrmaßnahmen basiert. Sie erfordert gemeinsame Teamübungen, offene Kommunikation über Angriffe und sektorale Cybersicherheitszentren, die auch staatliche und private Akteure miteinander verbinden.
Es wurde auch deutlich, dass die Grenzen zwischen militärischer Verteidigung, privater Verteidigung und staatlicher Verantwortung durchlässiger werden müssen, wenn die Schweiz widerstandsfähig bleiben will.
Am Abend wich die ernste politische Stimmung einer festlichen Stimmung, als sich die Schweizer ICT-Branche zum Digital Economy Award 2025 versammelte. Mehr als 800 Gäste aus der ICT-Branche, Politik, Verwaltung und Wissenschaft kamen zusammen, um die wichtigsten digitalen Projekte und Persönlichkeiten des Jahres zu feiern.
Zwischen den Preisverleihungen in den verschiedenen Kategorien hielt auch Bundesrat Albert Rösti eine Rede und setzte einen politischen Anker: Rösti erinnerte das Publikum daran, dass die digitale Zukunft der Schweiz nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Bevölkerung Vertrauen in digitale Systeme hat. Rösti betonte, dass die Schweiz diesen Wandel so gestalten muss, dass er Vertrauen schafft, Grundrechte schützt und Innovationen fördert. Der Bundesrat wolle nicht zu stark regulieren, sagte Rösti mehrfach.
Die preisgekrönten Projekte zeigten die Technologien, die die Schweiz in der Praxis zu bieten hat. KI spielt dabei eine zentrale Rolle, beispielsweise in der intelligenten Gebäudesteuerung von ISS Schweiz mit Akenza, in der KI-Sandbox des Kantons Zürich und in den Robotiklösungen von mimic robotics.
Zu den emotionalen Höhepunkten gehörte die Kategorie „NextGen Hero“, in der junge Talente aus der Welt der Wissenschaft mit ihren klaren und mutigen Ideen beeindruckten. Auch die Bildung spielte eine entscheidende Rolle: Die Bühler AG wurde zum Gesamtsieger in der Kategorie „ICT Education and Training“ gekürt.
Die Jury zeichnete Alina Matyukhina als IT-Persönlichkeit des Jahres aus. Sie ist bei Siemens Smart Infrastructure für die globale Cybersicherheit im Bereich Bauprodukte verantwortlich und stellt damit ihr in der Schweiz verankertes Fachwissen unter Beweis. Durch den Abend führten Monika Schärer und Stephan Lendi, die versuchten, ein Gleichgewicht zwischen Unterhaltung und inhaltlicher Tiefe zu finden.
Die Veranstaltungen zeigten, dass die digitale Schweiz nicht mehr aus Einzelprojekten, isolierten Technologien oder sektoralen Perspektiven besteht. Stattdessen wurde deutlich, wie eng internationale Zusammenarbeit, Cybersicherheit, Governance und Innovation miteinander verflochten sind.
Die Gespräche mit Estland haben gezeigt, wie digitale Verwaltung und digitale Identität im internationalen Vergleich entwickelt werden können und warum vertrauenswürdige staatliche Strukturen eine wichtige Voraussetzung für digitale Dienste sind.
Die Sitzung des Cybersicherheitsausschusses hat gezeigt, welche politischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Entscheidungen notwendig sind, um die Sicherheit der Schweiz in einem zunehmend komplexen Bedrohungsumfeld zu gewährleisten. Es wurde deutlich, dass Resilienz nur durch Zusammenarbeit erreicht werden kann, indem Behörden, Industrie und Forschung konsequent zusammenarbeiten.
Der Digital Economy Award wiederum würdigte Projekte und Personen, die diese Zukunft in konkreten Anwendungsfällen Wirklichkeit werden lassen. Sie entwickeln Lösungen, die Menschen und Unternehmen entlasten, Prozesse modernisieren und die Schweiz technologisch vernetzt halten. Damit soll auch in den kommenden Jahren ihre führende Position in der digitalen Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden.
digitalswitzerland bedankt sich bei swissICT, der Estnischen Handelskammer in der Schweiz, allen Partnern, Gästen und Mitwirkenden sowie den zahlreichen Experten, die diesen Tag so unvergesslich gemacht haben.